Oh, sowas aus meiner Feder?!? Und das obwohl ich eigentlich den skeptischen Fortschrittariern anhänge?!?
Das Internet hat sich von seiner Kindheit, in der es wuchs und gedeihte und aus seiner Jugend, die wild und frei war, weiterentwickelt: E-Mail nutzen kaum noch Leute. Google und Facebook übernehmen die Privatsphäre. Wer nichts zu verbergen hat… Die gegenseitige Akzeptanz des Datenschutzes wird unterminiert. Gläubig wird Produkten vertraut und am besten über “Freunde” weiterempfohlen. Freie und unabhängige Communities (mit eigenem Design und bestimmten Sparten) werden entvölkert und im sterilen Raum von Facebook neu angesiedelt; mit Außenstellen bei Google+.
Willkommen in den Erwachsenenjahren des Internets! Anstatt weiterhin das freie und offene Terrain des Cyberspace zu erkunden, begab sich das Internet zusammen mit seinen Nutzern freiwillig in die öde und sterile Landschaft, die den Charme von geplanten Satellitenstädten besitzt. Es geht ruhig zu. Big Facebook is watching you. Wahlweise kann man hier auch andere Dienste und/oder Regierungen einsetzen. Man prüft was reinkommt, was rausgeht. Man demonstriert via Sofademokratie gegen die Missstände des Lebens und in der Welt, ist aber trotzdem zu faul etwas zu tun. Klick und weg. Aus den Gedanken. Ich habe heute schon meine Pflicht erfüllt. Am besten noch staatlich alimentiert.
Wir erziehen uns alle selbst zur Unmündigkeit indem wir behaupten, dass das Prüfsystem für iOS-Apps uns schützt. Natürlich vor schlechter Software, aber auch vor Informationen die wir wollen und seien es blanke Frauenbrüste, die jeder sehen sollte, wenn er es möchte.
Wir achten die Rechte auf Datenschutz der anderen Menschen nicht mehr und erlauben der Facebook-App den Zugriff auf das Telefonbuch. Ist ja auch egal. Privatsphäre ist eh nur ein Platz, wo Frauen von ihren Männern geschlagen werden!
Wir müssen uns Zurückbesinnen und die Daten nicht mehr zentral einem Anbieter anvertrauen. Früher war alles besser?!? Beileibe nicht. Die neuen Techniken, die uns JavaScript, HTML5 etc. bringen werden und schon bieten, können gerne bleiben. Jedoch sollte man sein Fotos im Fotoforum, seine Szenezugehörigkeit im Szeneforum und seinen Verein auf der Vereinshomepage pflegen.
So verhindert man effektiv die ungewollte Zusammenlegung von Daten und vermeidet das von Facebook und Google+ beworbene Lebens-Log. Vor dem neuen Internet des scheinbaren Rückschritts braucht niemand Angst haben. Die Techniken sind mittlerweile einfach, Webspace ist billig und irgendjemand aus dem Bekanntenkreis (Fotofreunde, Party-Mitgänger, Vereinsmitglieder) kann immer eine entsprechende Seite aufsetzen. Sie muss nicht perfekt sein.
Die Fragmentierung bringt wieder Freiheit, ohne Gruppen zu bilden, welche ab 100 falschen Freunden sowieso unübersichtlich werden.
Die Fragmentierung bringt wieder Freiheit, weil kontextbezogene Daten nur im entsprechenden Kontext zu finden sind.
Die Fragmentierung bringt wieder Freiheit, da ich mich auch verstecken kann, kein Bezug zu Personen, virtuelle Orten und fremde Themen herstellen muss, aber kann.
…
Raus aus dem Moloch der Eintönigkeit, rein in die alte Vielfalt!



